Die vergangenen fast drei Jahre waren wegen der Corona-Pandemie für alle Chöre eine große Herausforderung. Viele kamen an ihre Grenzen, mussten sogar aufgeben oder verloren im besten Fall Mitglieder. Die Chorgemeinschaft Traisa machte da keine Ausnahme. Aber es gelang während der ganzen Zeit den Kontakt zu den Sängerinnen und Sängern zu halten. Und sobald es möglich war, wurde wieder mit den Proben begonnen.

Seit Anfang Oktober 2022 ist Wolfgang Vetter neuer Chorleiter und es sieht so aus, als würde mit ihm ein ausgezeichneter Neustart gelingen. Die Chorgemeinschaft Traisa ist der älteste Ortsverein Mühltals und schaut auf eine lange Tradition zurück. Gegründet im Jahr 1863 als reiner Männergesangverein, singen wir heute im gemischten Chor mit ungefähr 30 aktiven Sängerinnen und Sängern.

Die 1. Vorsitzende der Chorgemeinschaft, Nicole Cepa sprach mit Wolfgang Vetter über seine Arbeit bei der Chorgemeinschaft.

Lieber Wolfgang, zunächst herzlichen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst, ich weiß, du bist sehr beschäftigt. Wir kennen uns jetzt seit einigen Wochen. Erzähle uns doch zu Beginn, welche musikalische Ausbildung du hast!

Gerne! Ich habe an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main studiert. Mein Hauptfach war Gesang, meine Nebenfächer Klavier, Kontrabass und Komposition.

Welche Chöre leitest du noch außer der Chorgemeinschaft?

Über zu wenig Arbeit kann ich mich wirklich nicht beklagen. Augenblicklich leite ich den Gospelchor Auerbach, den Projektchor von „Stimmwolf e.V.“ in Seeheim-Jugenheim, den Jazz Chor 56 in Ober-Ramstadt und den Chor „Querbeat“ in Darmstadt.

Da können wir ja froh sein, dass du noch Zeit für uns findest! Wie bist du denn auf uns aufmerksam geworden?

Das war sehr einfach. Ich habe eine Ausschreibung auf der Website des Hessischen Sängerbundes gelesen und dachte gleich: das ist was für mich!

Das bedeutet, du arbeitest gerne mit einem Laienchor wie wir es sind zusammen. Was reizt dich daran?

In meinem Studium lag einer meiner Schwerpunkte auf Instrumental- und Gesangspädagogik. Schon damals hat mich die Arbeit mit Erwachsenen fasziniert. Meine Diplomarbeit hatte den Titel „Projektbezogenes Arbeiten mit Erwachsenen“. Ich finde es toll, dass auch im höherem Alter noch auf hohem Niveau gesungen und an der Stimme gearbeitet werden kann. In meiner Zeit an der Oper Frankfurt habe ich erlebt, welche Leistung auch mit über 70 Jahren erbracht werden kann, wenn man aktiv trainiert. Übrigens ist aus meiner Diplomarbeit ein Musical entstanden. Und aus diesem Projekt entwickelte sich mein Projektchor von „Stimmwolf“, eins kam zum anderen!

Dann erzähl uns doch noch von deinen anderen beruflichen Projekten, an denen du zurzeit arbeitest!

Es ist für mich manchmal wirklich nicht leicht, meine vielen Engagements zu koordinieren. Derzeit spiele und singe ich für die „Kleine Oper Bad Homburg“ die Tenorpartien in den Produktionen „Zauberflöte“, „Hänsel und Gretel“ und „Pinocchio“. Ab Februar 2023 kommt dann noch „Nils Holgersson“ dazu. Für das Kinder- und Erzähltheater „Theater Lakritz“ in Darmstadt bin ich für die Musik zuständig und spiele mit in den Produktionen „Zwei für mich“, „Klotzkopf“, „Moby Dick“ und „Das wilde Määääh“. Nächstes Jahr werden die Stücke „Die Brücke“ und „Robin Hood“ dazu kommen.

Beeinflusst Corona auch jetzt noch deine Arbeit?

Ja, leider! Vor allem Theater und Konzerte für Erwachsene sind noch immer schlecht besucht. Die Kinderoper dagegen läuft hervorragend. Hier buchen besonders Schulen gerne die Veranstaltungen. Vor allem das Kindertheater hat mich über die Corona-Zeit gerettet. Wir erinnern uns: im „Lockdown light“ war Theater in Bildungseinrichtungen möglich. So entstand das Kita Stück „Zwei für mich“ und dieses Stück verkauft sich seit Februar 2021 sensationell gut. Vor allem die Stadt Darmstadt hat auch nach 2022 für 2023 wieder sehr viele Vorstellungen gebucht. Ich persönlich hatte leider als Sänger seit 2020 keine Kirchenmusik-Konzerte mehr. Viele Kontakte zu Kirchenmusikern sind nicht mehr vorhanden, das ist bedauerlich und traurig.

Lass uns noch mal auf unseren Chor zurückkommen. Welche Herausforderungen stellen sich für einen gemischten Chor – im Unterschied zu einem Frauen- bzw. Männerchor?

Da gibt es eigentlich keine großen Unterschiede. Allerdings ist ein gemischter Chor oft einfacher für die Sängerinnen und Sänger. Denn die Tenöre und Soprane müssen nicht immer in besonders schwierigen Tonlagen singen. Dasselbe gilt für die tiefen Bässe. Du weißt ja, ich arrangiere auch gerne Neues. Bei einem Arrangement für einen gemischten Chor kann ich so leichtere Sätze schreiben.

Da machst du mich jetzt richtig neugierig! Was hast du denn in naher Zukunft mit uns vor?

Für nächstes Jahr plane ich einen Chorworkshop mit euch und für 2024 ein größeres Chorprojekt. Hier habe ich zwei Stücke im Blick, mehr will ich im Moment noch nicht verraten.

Auch die Chorgemeinschaft sorgt sich, wie die meisten Chöre, um „Nachwuchs“. Siehst du Möglichkeiten neue Sängerinnen und Sänger zu gewinnen?

Ganz bestimmt! Regelmäßige Chorworkshops sind ein wichtiger Schritt dorthin. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass meistens etwa 10% der Teilnehmer am Ende beim Chor bleiben.

Und was rätst du uns „alten“ Sängerinnen und Sängern?

Flexibel bleiben! Und vor allem auch mal das alte Fahrwasser verlassen. Es ist ein Fehler, immer nur die „alte“ Literatur singen zu wollen. Denn damit erschwert man interessierten neuen Sängern und Sängerinnen den Einstieg. Seid mutig und offen für Neues!

Das versuchen wir! Was uns an deinen Chorproben besonders gefällt, ist dein Humor. Es geht immer ganz locker zu. Wir wollen ja vor allem Spaß am Singen haben.

Freude am gemeinsamen Singen ist das Wichtigste! Denn nur dann bleibt man dabei und entwickelt sich weiter. Und an dieser Stelle ein Tipp für alle, die gerne singen und bis jetzt nicht wussten, wo sie den Anfang machen können. Kommt doch einfach freitags um 19.30 Uhr zu unserer Singstunde ins Sängerheim der Chorgemeinschaft in der Darmstädter Str. 30. Wir freuen uns auf jeden, der mal reinschnuppern will.

Lieber Wolfgang, hast du neben deiner vielen Arbeit und neben der Musik noch Zeit für Hobbys?

Ja klar, auch für mich ist Abwechslung und Entspannung durch Hobbys sehr wichtig! Ich sammle Filme, Musik und alles, was mit Highend Hifianlagen und Autos zu tun hat. Ich kann an keinem Hifi Fachgeschäft oder Autohaus vorbeigehen, ohne wenigstens mal reinzuschauen. Und dann sammle ich noch Modelle mit Klemmbausteinen.

Lieber Wolfgang, vielen Dank für das Gespräch. Wir, die Sängerinnen und Sänger der Chorgemeinschaft freuen uns riesig auf unsere weitere gemeinsame musikalische Arbeit!

Ich danke dir, liebe Nicole, und freue mich, dass wir alle optimistisch in die Zukunft schauen!

Protokoll: Gaby Schneider